Bezahlbarer Wohnraum – größte soziale Herausforderung der Gegenwart

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Politiker der Freien Wähler diskutieren mit Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer

 

Der Saal war gut gefüllt, als Christine Degenhart, Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer, am Podium Platz nahm. Sie diskutierte mit dem Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl und der Kreisvorsitzenden der Freien Wähler Ostallgäu Susen Knaber über die Frage, wie Wohnraum auch in Zukunft bezahlbar bleibt und die Aufwärtsspirale beim Kauf oder der Miete von Wohnungen und Häusern gebremst werden kann.

Nach den Grußworten von Bezirksrat und Altlandrat Johann Fleschhut sowie der Bezirks-Direktkandidatin und Mundartdichterin Johanna Hofbauer ging es gleich zur Sache. Welche Auswirkungen hat der Siedlungsdruck in der Metropolregion München auf Buchloe? Mit dieser Frage beschäftigen sich Pohl und Knabner seit vielen Jahren. Knabner, ehemalige Landesvorsitzende der Wirtschaftsjunioren, hat nach zahlreichen Dialoggesprächen mit der IHK Oberbayern und Schwaben hierzu eine klare Meinung: „Wenn wir nicht ausreichend Wohnraum und auch soziale Infrastruktur für Familien zur Verfügung stellen, werden wir ernste Probleme bekommen. Der Zuzug aus München ist nicht aufzuhalten.“ In der Umsetzung sieht Christine Degenhart, Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer, in nahezu allen Orten noch großes Potential. Die Innenentwicklung der Orte müsse vorangetrieben werden. Dabei sollten bestehende Möglichkeiten des Baurechts konsequent genutzt werden. Dazu gehöre im Einzelfall auch, sanften Druck auf den Eigentümer auszuüben. Vor allem sieht sie aber die Notwendigkeit, Anreize für privaten Wohnungsbau zu verstärken.

Bernhard Pohl hat vor Jahren bereits die Bürgermeister im Ost- bzw. auch im Unterallgäu ermutigt, angesichts des bestehenden Siedlungsdrucks klare Vorgaben und Vorstellungen für die künftige Ortsentwicklung zu setzen. „Jede Gemeinde muss im Dialog mit den Bürgern klären, ob sie den Siedlungsdruck dazu nutzen will, rasant zu wachsen oder ihr bisheriges Gesicht beizubehalten. Beides hat seinen Charme, entscheiden müssen es aber die Einheimischen.“ Für die Entwicklung der Ortskerne schlägt er, dass Veräußerungen ehemaliger landwirtschaftlicher Hofstellen in Dorfkernen bis zum Verkehrswert steuerfrei bleiben sollen, wenn dadurch Wohnraum geschaffen wird.

Auch der Zielkonflikt zwischen preiswertem Wohnraum und Flächenverbrauch kam zur Sprache. Degenhart sieht in der Entwicklung der Grundstückspreise einen wesentlichen Faktor für die Verteuerung der Immobilien. Alle drei waren sich darüber einig: Nicht die Quantität, sondern die Qualität ist entscheidend. Flächenverbrauch kann sinnvoll und notwendig sein, Flächenverschwendung muss aber rigoros bekämpft werden. Einige Zuhörer verwiesen auf die gigantischen Parkflächen von Supermärkten und lobten den V-Markt, der ein flächensparendes Parkkonzept umsetzen will.

Pohl mahnte, den Wohnungsbau nicht nur auf Mietwohnungen zu verengen. Er halte es nach wie vor für positiv, wenn eine Familie mit Kindern in einem Haus mit Garten leben könne. Dies bringe Lebensqualität und sei im Übrigen auch gut für die Entwicklung von Kindern.

Schließlich war die Bürokratie ein wesentliches Thema. Während Knabner die Gesetzeswerke durch überflüssige Vorschriften durchforsten will, sieht Degenhart vor allem Verbesserungsbedarf im Verfahren. „Gerade beim Brandschutz hat man doch früher mit dem Kreisbaumeister meistens vernünftige und praxistaugliche Lösungen finden können. Jetzt hat man unter dem Vorwand der Deregulierung die Verantwortung auf die Bauherren und Planer abgewälzt. Dadurch entscheiden letztlich irgendwelche Gutachter, und die Umsetzung geht häufig so richtig ins Geld. Hier sollten wir zu früheren Zeiten zurückkehren und die Zuständigkeit ins Landratsamt zurückverlagern“, fordert die Präsidentin. Sie ist erleichtert, dass im Bereich der Energieeinsparung keine Verschärfungen mehr geplant sind. Hier habe man den Grenznutzen erreicht. Bei der Barrierefreiheit allerdings erkennt sie noch Nachholbedarf. Hier gelte es aber, gute Lösungen umzusetzen. Dies sei es einerseits finanziell verkraftbar, andererseits die Zukunftsfrage für den Wohnraum schlechthin. Selbstbestimmtes Leben sei auf Dauer ohne Barrierefreiheit nicht denkbar, auf allem im Alter. Den größten Kostentreiber sieht sie daran, dass in Gebäuden überflüssige Flächen gebaut werden. Jeder Quadratmeter nicht benötigter Raum führe zu einer echten Kosteneinsparung.

Nach fast drei Stunden wurden die Referenten mit Applaus verabschiedet. Die zahlreichen Fragen der Anwesenden führten zu einer lebhaften und interessanten Diskussion. Altlandrat Johann Fleschhut fasste abschließend zusammen: „Die Freien Wähler zeigen sich durch kreative Lösungen aus. Sie haben qualifizierte Fachleute in ihren Reihen und setzen ohne Ideologie praxistaugliche Ideen gestalterisch um.“

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